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Schach und Fußball
Königssicherheit - Figurenaktivität - Bauernstruktur - Raumvorteil - Materialvorteil - Zentrumskontrolle - Fazit

Sicherheit des Königs

Wer hat noch nie einen Fußballtrainer sagen hören: "Die Null muss stehen." Oder: "Das Spiel wird in der Abwehr gewonnen". Fakt ist: Wer selber kein Tor kassiert, kann nicht verlieren. Es spielt zwar heute maum noch jemand einen lupenreinen italienischen Catenaccio, ein Trainer, dessen Mannschaft aber mehr als zwei Gegentore kassiert, muss sich gleich kritische Fragen zum Abwehrverhalten seiner Mannschaft gefallen lassen. Die Sicherung des eigenen Tores ist auch schon in den Regeln verankert: Man MUSS einen Torwart aufstellen, der sich um die Sicherheit des Tores kümmert, ohne geht es nicht.

... und beim Schach?


Die weiße Dame würde den schwarzen König mit Hilfe ihres Läufers am liebsten in der Ecke auf dem Feld h7 mattsetzen. Aber der Springer auf f8 verhindert das, indem er dieses Feld deckt. Besser könnte auch Manuel Neuer den schwarzen Kasten nicht sauber halten!
Hier ist es eigentlich noch extremer: Wer den König verliert, verliert auch die Partie. Die Sicherheit des eigenen Königs ist einfach goldwert. Der König wird per Rochade beinahe immer aus dem Zentrum in die Ecke hinter ein paar Bauern in Sicherheit gebracht, denn auf den zentralen Linien des Brettes verschwinden die Bauern oft zuerst und ein König der in der Mitte stecken bleibt, ist oft lästigen Schachgeboten ausgesetzt. Und Schachgebote können oft nur mit Zügen abgewehrt werden, die Nachteile mit sich bringen: Figuren, die sich dazwischen werfen, können geschlagen werden, ein König, der zu Fuß flüchten muss, steht den eigenen Figuren plötzlich im Weg herum, und ist das Schachgebot noch mit einem Angriff auf eine andere Figur verbunden, geht Material verloren und so weiter und sofort. Aber nicht nur Bauern können einen König beschützen, sondern auch die anderen Figuren. Und der Torwart? So etwas gibt es tatsächlich auch im Schach. Der dänische Großmeister Bent Larsen sagte einmal: Mit einem Springer auf f8 wirst Du nie Matt gesetzt! Denn der verhindert das typische Mattbild mit der Dame auf h7. So ein schützende Springer wird zum besten Torwart des Königs!

Die Nummer 1 beweist es


Der Norweger Magnus Carlsen (geboren 1990) beim Turnier in Wijk aan Zee 2013.
Und hier ein Beispiel aus der Praxis. Und weil die Sache so wichtig ist, lassen wir es uns von Magnus Carlsen persönlich zeigen. Im Turnier von Wijk aan Zee nutzte er die unsichere Königsstellung des starken Großmeisters Ivan Sokolov aus. Man beachte, dass der weisse König hinter seinen Bauern in der Ecke absolut sicher steht, während der schwarze König mit spärlichem Bauernschutz auf den zentralen Linien von den weissen Figuren unter Dauerbeschuss genommen werden kann:

Bauern allein reichen nicht


Weltmeister Vishy Anand, auch in Wijk aan Zee 2013.
Wir haben oben schon gesagt, dass eine intakte Bauernkette allein den König nicht unbedingt ausreichend schützen kann. Wenn erst einmal genügend Figuren zum Angriff bereit stehen, müssen mehr Verteidiger her (und oft reicht der Torwart-Springer nicht). Eine Faustregel besagt: Ein Angriff wird dann gefährlich, wenn mehr Figuren angreifen, als verteidigen. Ist irgendwie logisch, ist im Fußball auch nicht anders, wenn drei Stürmer auf zwei Abwehrspieler zulaufen, dann wird es eng. Ein drastisches Beispiel ist die Partie von Weltmeister Anand gegen den Weltranglisten-Zweiten Levon Aronjan aus demselben Turnier. Der weiße König steht scheinbar sicher hinter seinen Bauern versteckt, aber die schwarzen Figuren fallen trotzdem über ihn her, während die weißen irgendwie nicht richtig in die Verteidigung eingreifen können. Hier gerät der König wegen der viel größeren Figurenaktivität des Schwarzen in Gefahr: Und wer Englisch versteht, kann sich diese beeindruckende Partie von Anand persönlich erklären lassen: